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 Die Tanztherapie entwickelte sich in den 50er Jahren in den USA über Tänzerinnen des Ausdruckstanzes, die wegen ihrer Verfolgung von den Nationalsozialisten, aus Deutschland emigriert waren. Sie begann sich dann in den 80er Jahren in Deutschland zu etablieren. Diese Entwicklung ist eng mit den Zeitströmungen in den 20er Jahren in Deutschland verknüpft, durch die sich der Ausdruckstanz entwickeln konnte. Sie war geprägt von einer Aufbruchsstimmung, als dessen Ziel der harmonische Mensch zur Voraussetzung einer zukünftigen freiheitlichen Gesellschaft angesehen werden konnte. Die Ästhetikvorstellungen waren getragen von einer körperlichen Bewegungserfahrung in Verbindung zur Natur, zur Weiterentwicklung eines harmonischen und bewussten Menschenbildes. Die Lebensreformbewegung, die sich in einer Lebensgemeinschaft von Personen unterschiedlichster Kunst- und Philosophierichtungen in Monte Verita in der Schweiz zusammenfand und der auch Mary Wigman und Rudolf von Laban angehörten, waren zugleich Ausdruck und Prägung dieser Zeitepoche. Innerhalb dieser Zusammenhänge kann davon ausgegangen werden, dass vor allem durch Mary Wigman und Rudolf von Laban der Ausdruckstanz seine Entwicklung fand. Davor hatte aber bereits die nordamerikanische Tänzerin Isadora Duncan diese Entwicklung eingeleitet, indem sie bereits um die Jahrhundertwende den „Statuen der Antike Leben einhaucht“. Im antiken Griechenland umfasste der Tanz alle Lebensgebiete und war gleichzeitig Ausdrucksmittel einer sich langsam vollziehenden geistigen Neuorientierung. Darin unterscheidet sich der Mensch als beseeltes und später in Verbindung zum Logos als geistiges Wesen von den unbeseelten Dingen der Natur. Der Geist als allumfassendes Prinzip beginnt eine Sonderstellung einzunehmen, denn in ihm sind ebenfalls alle Empfindungen und Gefühle als geistige Tätigkeit manifestiert. Das Ringen zwischen den geistigen (apollinischen) und naturhaften (dionysischen) Kräften beginnt. Der Körper gewinnt auf diesem Hintergrund seine Bedeutung als Ausdrucksmittel dieser Geistigkeit und unterliegt nicht mehr einer eigenständigen, naturgegebenen Betrachtungsweise. Durch den rhythmisch - harmonischen Fluss der Bewegungen des Gesamtkörpers im Tanz wird diese Neuorientierung als Hinwendung zur ästhetisierenden Körperschulung repräsentiert.Durch die Inspiration dieser Bewegungsform revolutioniert Isadora Duncan die Welt des Kunsttanzes und bereitete den Weg für eine weitere Entwicklung zum Ausdruckstanz, derals erste choreografisch -tänzerische Eigenleistung im mitteleuropäischen Raum verstanden werden kann. Er beinhaltet und eröffnet den Zugang zur Erlebniswelt und zur körperlichen Ausdrucksfähigkeit von Lebens- und Leidensthemen, vor allem aber ermöglicht er die Überwindung dieser Themen mit Hilfe der körperlichen Symbolik.
Rudolf von Laban untersucht und beschreibt in diesem Zusammenhang das Phänomen der menschlichen Bewegung. Ausgangspunkt seiner Begrifflichkeit ist das Verständnis, dass die Perfektion einer Bewegung aus der Quelle eines inneren Bereiches kommt, in dem menschliche Bewegung und Handlung ihren Ursprung haben und die sich in einem kontinuierlichen Strom eines umgebenden Raumes befindet. Auf dieser Basis entwickelt er in seiner Bewegungsanalyse unter anderem eine Bewegungsschulung, in der die physische und psychische Existenz des Körpers in der tänzerischen Bewegung eine Integration erfahren kann.Das zentrale Bemühen ist die Wechselwirkung zwischen innerer Bewegtheit und Bewegungsausdruck bezogen auf die natürliche Körpersprache des Menschen hin. Laban Zitat: “Tänzer ist mir jener neue Mensch, der seine Bewusstheit nicht einseitig aus den Brutalitäten des Denkens, des Gefühls oder des Wollens schöpft. Es ist jener Mensch, der klaren Verstand, tiefes Empfinden und starkes Wollen zu einem harmonisch ausgeglichenen und in den Wechselbeziehungen seiner Teile dennoch beweglichen Ganzen bewusst zu verweben trachtet“ Menschenbild der PsychotherapeutischernTanztherapie Der Ausdruckstanz steht im engen Zusammenhang mit symbolbildenden Bewegungsmöglichkeiten, durch die innere Befindlichkeiten erlebt und zum Ausdruck gebracht werden können. Dadurch können diese Bewegungsqualitäten in Zusammenhänge mit psychologischen Entwicklungs- und Persönlichkeitstheorien gebracht werden. Es besteht ebenso die berechtigte Annahme, dass im Ausdruckstanz ein Menschenbild übermittelt wird, in dem der Körper zur Darstellung einer geistigen Idee und einer Idealvorstellung des Menschen dient.
Körperbilder nach tänzerischen Bewegungsinterventionen Da die Entwicklung der Tanztherapie erst durch den Ausdruckstanz möglich wurde und die tänzerischen Grundannahmen die Basis bildet, sollte die Psychotherapeutische Tanztherapie zwar die tänzerischen Möglichkeiten des Ausdruckstanzes und ihre Methoden nutzen, aber das darin enthaltende Menschenbild überdenken. Nur dann erst, wenn der Körper nicht zur Formung einer Idee angesehen wird, sondern als Ausdruck einer individuellen Lebensgeschichte, die sich über körperliche Formungsprozesse, dem Bewusstsein erschließen kann, wird emanzipatorisches Handeln auf der tänzerischen Bewegungsebene in den vielfältigsten Berufsfeldern von Psychotherapie, Pädagogik und Kreativität möglich sein. Darin wird dann von einer natürlichen Selbstgegebenheit des Körpers ausgegangen, in der sich die lebensgeschichtliche Entwicklung manifestiert. Der Körper wird als Grundlage eines Entwicklungs- und Reifungsgeschehens aufgefasst, indem sich seine Materie in dialektischer Auseinandersetzung mit emotionalen und geistigen Prozessen zur Symbolisierungsfähigkeit entfalten kann.

Dies setzt aber voraus, dass sich der Körper in der lebensgeschichtlichen Entwicklung als eigenständige Natur erfährt und sich ferner eine innere Welt der Fantasie, der Gefühle und der Objektbilder formen kann, die dann in einem selbstreflexiven Akt „des sich Verstehens“ im Körper ihre Manifestation findet. Nach neueren Erkenntnissen der frühen Entwicklungspsychologie wird diese Hinführung des Körpers zur Symbolfähigkeit nur möglich, wenn innerhalb des frühen senso - motorischen Entwicklungsverlaufes eine gelungene Kommunikation mit der Außenwelt und deren Objekten vorhanden war. Der Körper ist in diesem Sinne als ein Teil einer symbolischen Ordnung zu verstehen, indem körperliche Symbolisierungsfähigkeit als Grundlage und Ausdruck individueller Entwicklung aufzufassen wäre. Zusammenfassend kann dann gesagt werden, dass Blockierungen, Hemmungen, Überstimulierungen, Absenzen, Fragmentierungen etc.von körperlicher Symbolisierungsfähigkeit in ihrer Spezifik im Zusammenhang mit der lebensgeschichtlichen Entwicklung betrachtet werden müssen.
In der praktischen Durchführung von Psychotherapeutischer Tanztherapie besteht das heilende Element des Verfahrens im Wiederbeleben von körperlichen Formungsprozessen, was als Hinführung zur grundsätzlichen symbolbildenden Fähigkeit zu verstehen ist. Diese beinhaltet die Möglichkeit Trennung innerhalb einer Einheit zu erleben, womit sich die imaginäre und reale Welt formgebend und damit räumlich erschließen kann. Dann kann ergänzend zur Tiefenpsychologie auch in vorsprachlicher Symbolik gewirkt werden. Damit wird es möglich, über den Körper Zugang zu unbewussten Wünschen und Bedürfnissen zu erlangen und diese dann symbolisch darzustellen. Der senso-motorische Bereich würde somit erfasst und zum symbolischen überführt. Unbewusste Phantasien werden dann über die tänzerische Form als Realitätsentwurf körperlich erlebt, ausgedrückt und über Sprache zur Heilung vorsprachlicher Traumatisierungen ins Bewusstsein gebracht.
 Räumliche Aspekte des Körpers Durch die Hinführung zum symbolbildenden Erleben mittels körperlicher Formungsprozesse, ist es dann möglich neurotische und gegebenenfalls psychotische Zwangsstrukturen über strukturierte Tanzformen, analog den psychotherapeutischen Prozessen, schrittweise in spontane kreative Handlungen überzuführen. Die Gefahren einer zu raschen Konfliktaufhellung und Gefährdung der Struktur müssen erkannt und ebenso Berücksichtigung finden, wie die handlungsorientierte Beziehungsstruktur eines handlungsorientierten Verfahrens und den entsprechenden Übertragungsphänomenen. Ebenso könnten körperliche Empfindungsstörungen als verdrängte Konflikte neurotischer Natur über tänzerische Improvisation aktiviert und ausgedrückt werden, um nicht eventuell mit körperlichen dissoziativen Symptomen abgewehrt werden zu müssen.
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